Literatursalon im Kammertheater  Der Kleine Bühnenboden
(jeden 3. Samstag im Monat  und einige Donnerstage jeweils 20°°)
www.derkleinebuehnenboden.de/literatur.htm

... der Literatursalon ...
mit Herrmann Cropp verwendet Elemente des Lesetheaters und der Zukunftswerkstatt, bei der die Literatur mit einer egalitären Moderationsmethode der kommerziellen Verwertungslogik entzogen und dem Publikum zurückgegeben wird. Autoren wollen gelesen und verstanden werden, und das ist eine Sache, die jeden  Leser angeht. Deshalb wünschen wir uns zahlreichen Besuch und eine lebhafte Beteiligung.

Der Kleine Bühnenboden
Schillerstr. 48a
48155 Münster

Folgende Termine sind für dieses Jahr vorgesehen, unten ausführlicher vorgestellt:

Sa 15,3, Alfred Andersch
Sa 19,4, Erich Kästner
Do 24,4, Gustav Strindberg
Sa 17,5, Douglas Coupland, Generation X
Do 29,5, Jack London
Sa 21,6, Harry Mulisch

Leider erlauben es meine mit dem Verlag eingespielten Mittel nicht, die Literatursalons im Theater Der Kleine Bühnenboden im Herbst 2008 fortzusetzen. Die Kulturhäuptlinge von Münster schmeißen lieber Millionen raus für ein High-Society-Theater (das noch grade verhindert wurde), statt meine Fahrtkosten oder Flyerwerbung zu bezahlen, von einem Honorar ganz zu schweigen. Man könnte optimistisch sagen, je dümmer die subventionierte Kultur wird (wofür ich noch andere nette Beispiele habe), desto größer ist die Chance von uns Habenichtsen, das geistige Vakuum zu füllen.
Doch so einfach ist das 
nicht, zumindest bräuchten wir eine künstlerische Subkultur oder Boheme, in der wir leben und arbeiten können. Die totale Durchkommerzialisierung der Gesellschaft und Kultur hat auch dieser Brutstätten der Veränderung geplündert, sodaß die verbliebenen Reste der Avantgarde kaum mehr als Social Beat stammeln können, depressive Bilder malen, die keiner braucht und kauft oder, sofern musikalisch, warten entdeckt zu werden, und über allem schwebt eine Wolke von Alkohol, Kif, Koks u.a. Frustverstärkern. Das macht es nicht leicht, aber OK. ich versuchs weiter!
Herrmann Cropp (September 2008)

Sa 20,9, Antoine de Saint-Exupery 
... gibts leider nicht!
Sa 18,10, Arthur Schnitzler
... gibts leider nicht!
Do 30,10, Georg Trakl
... gibts leider nicht!
Sa 15,1, Stanislaw Lem
... gibts leider nicht!
Do 27,11, Honore de Balzac
... gibts leider nicht!
Sa 20,12, Andersen, was Weihnachtliches! 
... gibts leider nicht!

Sa 15,3, Alfred Andersch

um 20°°  
gibts „Die Rote“ von Alfred Andersch

Der engagierte Nachkriegsautor wollte der “lost generation” Europas die neuen Ideen von Freiheit, Demokratie und individueller Verantwortung nahebringen, da “die Brüchigkeit aller Wertsysteme immer sichtbarer” werde. Er trat für eine von politischen Zielsetzungen unabhängige realistische Literatur ein, “realistische Literatur ist Literatur aus Wahrheitsliebe”. Dennoch sah er einen klaren, und zwar allgemeinen politischen Auftrag für Kunst und Literatur, “jedes gelungene Kunstwerk ist Teil einer permanenten Revolution”. Wegen des Romans “Die Rote” wurde er der Verfassung von “Klassenkampfliteratur” gescholten, die “Kirschen der Freiheit” galten als “moralische Legitimation zum Desertieren”. Andersch in einem Gedicht: “ ... die gesellschaft - ist weiter geteilt - in wächter - und bewachte - wie gehabt ...”


Sa 19,4, Erich Kästner
Erich Kästner war berühmt für seine Kinderbücher und Filme, er war ein engagierter Schriftsteller und Pazifist, er hat schöne Gedichte gemacht, Dramen, Höspiele und Kabarett und für viele Zeitungen gearbeitet, aber leider nur einen Roman “Fabian - Die Geschichte eines Moralisten“ geschrieben. 1933 wurden seine Bücher verbrannt, und er sah selbst dabei zu, aber er ging nicht ins Exil. Bis 1945 hatte er Schreibverbot, und in der neuen Bundesrepublik durfte er zwar veröffentlichen, aber er fühlte sich nicht ernst genommen, er blieb der Kinderbuchautor. Kästner beklagte sich, „Ich bin der Dichter, der euch anfleht und beschwört, Ihr seid das Volk, das nie auf seine Dichter hört,“ und man habe nach 1945 „total vergessen, den Maulkorb abzunehmen, den man uns 1933 umgebunden hatte. Die einen können nicht mehr schreiben, die andern können nicht lesen.“ Und mit der Liebe verhält es sich irgendwie ähnlich: du „träumst von der Liebe, glaubst an keine.“ Kästner war ein resignierter Optimist, er hätte gerne alles besser gemacht - geben wir ihm die Chance?


Do 24,4, Gustav Strindberg

vorgestellt und zur Diskussion gestellt wird August Strindberg: das menschliche Drama.
Die Scheinwirklichkeit der bürgerlichen Gesellschaft und des menschlichen Daseins, Liebe, Haß, Intrige und die Vereinsamung in der Freiheit sind seine Themen. Seine Botschaft ist nicht ermutigend, „... als Weltverbesserer landet man entweder im Gefängnis oder im Irrenhaus“ (aus Traumspiel), aber sein Blick ist von erschreckender Schärfe, „... früher sah ich Dinge und Begebenheiten, jetzt sehe ich Gedanken und Bedeutungen.“ (Damaskus)
Sa 17,5, Douglas Coupland, Generation X

vorgestellt und zur Diskussion gestellt wird D. Coupland mit seinem Buch Generation X im Litera-tursalon vor. Schriftsteller und andere Künstler erfassen häufig viel sensibler (und früher als die „Fachleute“) die veränderte gesellschaftliche Realität. Coupland ist es sogar gelungen, den Begriff für diesen „neuen Menschen“ zu prägen, Frage ist allerdings ob wir Zeitgenossen der Postmoderne uns richtig verstanden, definiert, interpretiert fühlen ... was zu klären wäre ...
Do 29,5, Jack London: wild und frei

Vom Vagabunden und Goldsucher zum Sozialkritiker - in Armut aufgewachsen, mußte J.L. schon als Kind arbeiten und lernen, daß man von der Arbeit nicht leben kann. Stattdessen lernte er sich durchzuschlagen als Landstreicher, als Hobo und folgte dem „Lockruf des Goldes“ nach Alaska. Gold fand er keins, aber er schrieb über die Goldsuche und fand bald als Schriftsteller sein Auskommen. Die Suche nach dem Glück blieb für immer sein Thema, und obwohl er sein Glück fand, hat er seine Herkunft nie verraten, er wollte das Glück, das Paradies für alle, sei es als Steinzeitutopie wie im „Ruf der Wildnis“, als Südseeparadies oder als moderne agrarindustrielle Utopie, die er mit seiner Beauty Farm aufzubauen versuchte - und scheiterte.
Mit der Sensibilität eines Künstlers erkannte er, Jahrzehnte bevor daraus ein politisches Thema wurde, die wichtigsten Probleme der Zeit und propagierte in literarischer Form eine ökologische Alternative  zu der sich entfaltenden Industriegesellschaft, er entwarf Utopien in der Südsee und zeichnete in „Die eiserne Ferse“ (1908!) „exakt das Bild des Faschismus, seiner Ökonomie, seiner Regierungstechnik, seiner politischen Psychologie“ (schreibt Trotzki 1938).  Tatsächlich war er zu Lebzeiten so bekannt wie ein Popstar, der „glühende Sozialist und Abenteurer“ lieferte sich auf den Titelseiten der Tageszeitungen Wortgefechte mit Präsident Roosevelt. Das meiste über ihn ist heute vergessen, die begnadeten Nachgeborenen werfen ihm Darwinismus und Sozialromantik vor, und daß er zurück zur Natur in die Steinzeit wolle - was zu überprüfen wäre! Wir lesen und reden darüber ...

         








Sa 21,6, Harry Mulisch

vorgestellt
wird Harry Mulisch mit Die Entdeckung des Himmels vorgestellt. Nach Mulischs Ansicht - „Was sich hier abspielt, passiert in einer Welt ohne Gott“ - ist unsere chaotische Gegenwart ein Irrtum. Ein neuer Messias tritt auf, jedoch nicht um den Bund mit Gott zu erneuern, sondern um ihn zu lösen, denn Gott wurde von der Wissenschaft hinter den Urknall verbannt. Von dort walten die himmlischen Drahtzieher, verursachen Naturkatastrophen, lassen Sterne vom Himmel fallen, und der Topagent „Messias“ rettet die Welt - nicht! ... macht aber nichts, wir vergnügen uns weiter, ebenso wie dieser Roman.
Sa 20,9, Antoine de Saint-Exupery
Sa 18,10, Arthur Schnitzler
Do 30,10, Georg Trakl
Sa 15,1, Stanislaw Lem
Do 27,11, Honore de Balzac
Sa 20,12, Andersen, was Weihnachtliches!